Im Hinblick auf den Auftakt der Saison und auch aufgrund einer Portion Lokalpatriotismus haben wir uns den Verein zum Ten QUUestions Interview gekrallt, auf den diese Saison ALLE Blicke gerichtet sind: Der FC St. Pauli. Pressesprecher Christian Bönig stellt sich den Ten QUUestions hier auf QUU.FM. Was er zum Aufstieg, der kommenden Saison und zu der Stimmung im Millerntor zu sagen hat, könnt ihr hier nachlesen oder QUU.FM einschalten.
on air zu hören heute um 10:24 h || 13:41 h || 17:10 h || 20:32 h
Ten QUUestions an Christian Bönig, FC St. Pauli
Ein paar Worte zum Pokalspiel gegen den Chemnitzer FC?
Wir haben uns das alles ganz anders vorgestellt als wir nach Chemnitz gefahren sind, die 6 ½ Stunden im Bus. Dann hatten wir noch mal 6 ½ Stunden Zeit uns darüber Gedanken zu machen, was da alles schief gelaufen ist. Es ist natürlich total unbefriedigend, wenn man bei einem Viertligisten mit 1:0 aus dem DFB Pokal ausscheidet, das darf jetzt aber nicht lähmen oder uns zu sehr hemmen mit dem Beginn der Saison, sondern das ist jetzt eben so passiert, wir müssen versuchen, es aus den Köpfen zu kriegen und möglichst schnell den Focus wieder auf Freiburg legen.
Wie und wo hast du den Aufstieg in die erste Liga erlebt?
Ich saß auf der Bank in Fürth, so wie ich bei jedem Spiel auf der Trainer – oder Auswechselbank sitze. Das sind Momente, die man mit Worten eigentlich gar nicht beschreiben kann, da ist der gesamte Druck der letzten Tage und Wochen davor von einem abgefallen, das waren Emotionen pur. Wir sind alle auf’s Spielfeld gelaufen und haben uns umarmt, dann kamen schon die Fans von den Tribünen runter, das war ein Jubelorkan, man wusste eigentlich gar nicht wie und wohin mit seinen Gefühlen. Das war der erste Moment und dann bin ich doch relativ schnell in die Kabine gegangen und war ein paar Minuten alleine, um das erstmal für mich selbst zu verdauen, dass man in der 3. Liga angefangen hat und auf einmal ist man in die Bundesliga aufgestiegen, das hat schon alle, die Spieler, die Trainer, die Funktionäre, den Präsidiumsaufsichtsrat, Geschäftsführung, Geschäftsstellenmitarbeiter, alle so viel Schweiß und Mühe gekostet und das ist dann einfach die Belohnung für ganz, ganz viel harte Arbeit, da braucht man schon mal ein paar Minuten um das selbst zu realisieren.
Wie sieht der FC St.Pauli der kommenden Bundesligasaison entgegen?
Voller Vorfreude! Es sind 34 Festtage, die wir absolvieren dürfen. Ich sage bewußt ‘dürfen’, denn es ist keine Selbstverständlichkeit, dass man in der Bundesliga aktiv ist, ob im Hintergrund oder auf dem Platz. Wir freuen uns darauf, die großen Gegner im Stadion zu haben, wie Dortmund, Bayern, Schalke, den HSV, aber auch in die ganzen großen Stadien reisen zu dürfen. Das sind Momente, die man unbedingt aufsaugen muss und einfach genießen sollte.
Bundesliga Aufstieg bedeutet man muss auch ins Volksparkstadion. Ist das für einen Paulianer die Schattenseite des Erfolgs oder die Krönung?
Es ist eher eine Krönung. Es ist eher so zu bewerten, dass man dahin darf anstatt dahin zu müssen. Wir hätten dahin müssen, wenn wir unser Heimspiel gegen den HSV dort hätten austragen müssen. Dann wäre es eine andere Situation gewesen, aber wir dürfen die Heimspiele am Millerntor austragen und fahren dann beim Rückspiel zu einem Auswärtsspiel vom HSV, von daher ist das für uns genau so ein Festtag wie alle anderen Spiele auch, natürlich mit der Besonderheit, dass es in der eigenen Stadt ist. Gegen den Lokalrivalen, gegen die Mannschaft, die man am liebsten etwas weiter unten in der Tabelle sieht, das ist zumindest von Fan-Seite aus ganz normal, das sind die Spiele, auf die man sich so richtig richtig doll freut.
Wie ist der Kartenvorverkauf im Vergleich zum letzten Jahr angelaufen?
Der Kartenverkauf ist eigentlich der gleiche, wir waren letzes Jahr immer ausverkauft und werden auch in dieser Saison immer ausverkauft sein, das ist so’n richtig schönes Luxusproblem was wir haben. Wir könnten wahrscheinlich für jedes Spiel die doppelte oder dreifache Anzahl an Karten rausgeben. Dürfen wir natürlich nicht, bei 24.500 ist Schluss, aber diese Zahl wird bei jedem Heimspiel erreicht werden.
Für jemanden, der noch nie am Millerntor war: wie kann man die besondere Pauli Atmosphäre beschreiben?
Ich glaube man muss jeden, der noch nicht am Millerntor war, bemitleiden weil diese besondere Stimmung, diese Atmosphäre, diesen Virus St. Pauli, den muss man einfach aufsaugen, das muss man selbst erleben. Man kann es mit Worten nicht beschreiben, das muss man spüren. Erst dann kann man für sich selbst entscheiden, was ist dieser Mythos St. Pauli, alle anderen können das einfach nicht.
Dieses Jahr ist der Verein 100 Jahre alt geworden. Welche Aktionen sind noch bis zum Ende des Jahres geplant?
Im Grunde genommen war es das an Feierlichkeiten. Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Zum Glück! Denn wir haben in den letzten Monaten nur noch gefeiert und langsam aber sicher sollten wir uns mal wieder in den Alltag einfinden. Wir haben immer noch unsere wunderschöne Ausstellung hier auf dem Südkurven-Vorplatz wo wir sämtliche Ausstellungsstücke aus den letzten hundert Jahren des FC St. Pauli präsentieren. Diese Ausstellung sollte man sich unbedingt angucken, das ist das letzte große Highlight. Alle anderen Sachen haben wir jetzt hinter uns und die waren auch wunderschön, aber jetzt geht der Blick doch langsam aber sicher ins Jahr 101.
Welcher Song würde die Mentalität des FC St Pauli am Besten beschreiben?
Es gibt ne ganze Menge an Songs, z.B. Fettes Brot, die immer wieder über den Verein singen, aber auch z.B. ‘Hells Bells’, wenn man einläuft ins Stadion, das ist eigentlich DAS St.Pauli Lied überhaupt, aber genauso ‘das Herz von St. Pauli’ ist eine inoffizielle Hymne. Das muss eigentlich jeder für sich selbst entscheiden, aber das sind die Songs, mit denen ich St. Pauli stark in Verbindung bringe.
Welche karitativen Projekte unterstützt der FC?
Das ist auch ne ganze Reihe, wir unterstützen z.B. Viva con Agua sehr intensiv, wir unterstützen Laut gegen Nazis, wir unterstützen verschiedene Stadtteilprojekte, auch Projekte aus dem Fanladen heraus wie z.B. KiezKick. Es gibt eine ganze Reihe die wir gern und auch intensiv unterstützen.
Inwieweit unterstützt ihr Nachwuchsspieler?
Das ist ein Projekt auf verschiedenen Standbeinen, einmal gibt es die leistungsspezifische Förderung, alles was unsere eigenen Mannschaften betrifft - gerade alles was sich im Jugendleistungszentrum anbietet – dort wird intensiv mit den Kids und den Jugendlichen gearbeitet. Aber es gibt auch die Fußball-Ferienschule, wo wir nicht nur selbst bei uns auf dem Gelände aktiv sind und viele Kids in den Ferien zu uns kommen, sondern das machen wir auch in Kooperation mit anderen Vereinen, mal draußen in Winsen oder Ahrensburg und Städten um Hamburg herum. Z.B. auch in Blankenese wie in dieser Woche, dort werden die Kids geschult von professionellen Jugendtrainern.
Wie wichtig sind denn die Ultras für St.Pauli?
Unsere Ultras spielen selbstverständlich eine große Rolle. An USP scheiden sich immer die Geister. Es gibt welche die sagen: ‘ die sind super, die bringen die Stimmung im Stadion’, dann gibt es welche, die stören sich an dem monotonen Gesang. Aber das ist das Schöne, an USP kann man sich einfach aufreiben und streiten, und das macht auf auf eine Art und Weise richtig viel Spaß, denn USP gehört einfach zu St.Pauli dazu und mittlerweile nehmen sie die Meinung der Anderen im Stadion wieder besser an, als es mal eine Zeit lang gewesen ist. Von daher: USP passt perfekt zu St. Pauli.
QUU hält die Daumen für die Saison gedrückt! Vielen Dank an Christian Bönig & den FC St. Pauli








